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Das frühe Christentum ging davon aus, dass Gottes Vergebung von Sünden auf Seiten des Menschen einen bewussten Akt der grundlegenden Umkehr und Veränderung des Lebens braucht, der durch die Taufe symbolisiert wurde. Durch die Taufe wurden alle Sünden vergeben, aber später war ein gleicher Akt der Umkehr nicht mehr möglich - schwere Sünden, die nach der Taufe begangen wurden, konnten nicht vergeben werden. Darum ließen sich viele Leute (z.B. Kaiser Konstantin I. von Rom) sicherheitshalber erst auf dem Sterbebett taufen.
Mit der Zeit wurde das seelsorgerliche Problem von schweren Sünden nach der Taufe dadurch gelöst, dass dem Sünder als Zeichen der ernstgemeinten erneuten Umkehr vom Bischof eine strenge Buße auferlegt wurde, gewöhnlich in Form von längerem Fasten, und zeitweiligem Ausschluss von der Eucharistie oder sogar der christlichen Gemeinschaft. War diese Buße absolviert, wurde der Sünder wieder in die Gemeinschaft aufgenommen.
Besonders verdiente fromme Christen konnten durch so genannte Friedensbriefe eine solche Bußzeit verkürzen - z.B. konnten Märtyrer für Leute eintreten, die angesichts einer Verfolgung schwach geworden waren. Dahinter lag die Ansicht, dass die Märtyrer stellvertretend für die anderen Sühne geleistet hatten.
Beginnend mit dem 11. Jahrhundert entwickelte die katholische Kirche aus diesen Gedanken ein juristisches Konzept: die Verdienste von Jesus Christus und den christlichen Heiligen bilden einen unermesslichen Gnadenschatz, den die Kirche, der in der Nachfolge der Apostel die Schlüsselgewalt gegeben ist, verwaltet und austeilen kann. In dem Ablass gibt nun die Kirche dem Sünder aus diesem Gnadenschatz, das, was ihm fehlt, um vor Gott wieder gerecht dazustehen - und dadurch wird dem Sünder die Strafe erlassen, sowohl die Bußzeit in diesem Leben als auch eine etwaige Strafe in dem Fegefeuer.
Der Ablass wird häufig in Tagen bemessen - damit sind streng kirchenrechtlich Tage der Buße gemeint, das wurde aber dann auf Tage (oder Jahre oder Jahrhunderte) in dem Fegefeuer übertragen, als die ursprüngliche Entwicklung den Leuten nicht mehr bewusst war.
Die Kirche stellt gewisse Bedingungen, unter denen sie einen solchen Ablass gewährt, z.B. Gebete, Pilgerfahrt, Almosen oder Kirchenbesuch - als Zeichen der stets noch erforderlichen inneren Umkehr.
Eine Weiterentwicklung war, dass man nicht ca. für sich selbst, sondern auch für Verstorbene Ablass erwerben konnte - eine Tat der Nächstenliebe.
Im Spätmittelalter entstanden aus diesem Konzept verschiedene Missbräuche: einmal kamen vermögende Gläubige zum (Kurz)schluss, dass sie unbekümmert wegen etwaiger Folgen drauflossündigen könnten, da ihnen die Kirche ja gegen eine entsprechende Geldspende den Ablass gewähren würde. Andererseits entdeckten einige Päpste, dass sich der Gnadenschatz der Kirche durch Ablass gegen Geldspenden in einen Schatz von klingender Münze umwandeln ließ, wenn man den Gläubigen ca. die Schrecken des Fegefeuers für sich und ihre verstorbenen Angehörigen genügend dramatisch ausmalte.
Solche Missbräuche des Ablasses wurden in der Zeit der Reformation kritisch hinterfragt - übrigens nicht ca. von Reformatoren. Die Reformatoren studierten die Bibel und fanden dort keine klare Darstellung des römisch-katholischen Ablasskonzepts, worauf sie den ganzen Ablass zu dem Menschenwerk erklärten.
Die katholische Kirche hat die Missbräuche des Ablasses in der Gegenreformation abgestellt, hält jedoch am Ablasskonzept fest. Dazu gehört z.B.
- Ablass kann vollkommen (Erlass sämtlicher Sündenstrafen) oder unvollkommen (teilweiser Erlass von Sündenstrafen) sein.
- Nur getaufte Katholiken in dem Stand der Gnade können einen Ablass erhalten. Um einen vollkommenen Ablass zu gewinnen, müssen sie außerdem frei von jeder Anhänglichkeit auch an lässliche Sünden sein. Ist diese Bedingung nicht gegeben, kann man einen unvollkommenen Ablass gewinnen.
- Der Papst kann einen Ablass für die gesamte Kirche erlassen - geschehen z.B. in dem Jubiläumsjahr 2000.
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